Am Arbeitsplatz

Berufe mit hohem Risiko für Hörschäden

Audinc 3. Mai 2021
Berufe mit hohem Risiko für Hörschäden

Zu viel und zu lauter Lärm am Arbeitsplatz kann Ihr Gehör schädigen. Hörschäden durch Arbeit zählen in den Niederlanden zu den drei häufigsten Berufskrankheiten.

Mach den nächsten Schritt für dein Gehör

Zu viel und zu lauter Lärm am Arbeitsplatz kann Ihr Gehör schädigen. Arbeitsbedingte Hörschäden gehören in den Niederlanden neben psychischen und körperlichen Beschwerden zu den drei häufigsten Berufskrankheiten; etwa eine von drei Meldungen über eine Berufskrankheit betrifft eine Schädigung des Gehörs. Umgerechnet bedeutet das, dass mehr als eine halbe Million Beschäftigte in den Niederlanden Gefahr laufen, eine Lärmschwerhörigkeit oder Lärmtaubheit zu entwickeln. In der Praxis liegt die Zahl der Hörschäden vermutlich sogar noch höher, weil viele Menschen mit Gehörproblemen ihre Beschwerden nicht unmittelbar mit ihrem Arbeitsumfeld in Verbindung bringen. Deshalb ist es gut zu wissen, welche Berufe ein hohes Risiko für Hörschäden bergen.

Ein Hörschaden entsteht dadurch, dass die Haarsinneszellen im Ohr beschädigt werden. Das Älterwerden kann eine Ursache dafür sein, aber auch die Belastung durch laute Geräusche. Durch den Schalldruck werden die Haarsinneszellen überlastet und gehen kaputt. Sie leiten dann keine oder die falschen Informationen weiter, sodass Sie schlechter hören oder nur noch ein Piepen oder Rauschen wahrnehmen. Diese Schädigung lässt sich nicht mehr heilen.

Kommunikation ist in praktisch allen Berufen von größter Bedeutung. Denken Sie zum Beispiel an eine Arbeitsbesprechung oder eine Sicherheitsunterweisung. Darüber hinaus trägt eine reibungslose Kommunikation zu einem positiven Betriebsklima bei. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit eingeschränktem Gehör kann dabei auf Probleme stoßen. Neben Hörschäden kann starker und lauter Lärm auch zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Stress und erhöhtem Blutdruck führen. Außerdem steigt das Unfallrisiko, weil Warnsignale nicht oder schlechter gehört werden. Die Beschwerden, die durch schädlichen Lärm entstehen, wirken sich häufig auf die Fehlzeiten aus. Die Kombination aus psychischen und körperlichen Beschwerden infolge von Lärmbelästigung kann im schlimmsten Fall sogar zu Depressionen oder einem Burnout führen.

Um Beschäftigte vor Hörschäden zu schützen, müssen Arbeitgeber ermitteln, an welchen Stellen und bei welchen Tätigkeiten Risiken auftreten könnten. Es müssen (zusätzliche) Maßnahmen ergriffen und die Wirksamkeit dieser Maßnahmen überprüft werden.

Schall

Schall lässt sich als die hörbare Veränderung des Luftdrucks beschreiben. Ist der Unterschied im Luftdruck sehr groß, kann ein Schaden im Ohr entstehen. Bei der Belastung durch eine hohe Schalldosis können eine vorübergehende Hörminderung, Ohrensausen oder ein Pfeifton auftreten. Bei gelegentlicher Belastung kann sich das Gehör in den meisten Fällen von diesen Beschwerden wieder erholen. Bei häufiger Belastung hingegen kann ein bleibender Hörschaden eintreten. Dieser Schaden kann akut auftreten, entsteht aber meist schleichend. Wenn jemand unter einem allmählich entstehenden Hörschaden leidet, kann sich das in den folgenden Situationen äußern:

  • die betreffende Person stellt die Lautstärke von Radio und Fernseher immer lauter

  • sie spricht selbst oft lauter

  • sie hat Schwierigkeiten, ein Telefongespräch oder ein Gespräch in einer lauten Umgebung zu führen

  • sie kann leise Geräusche oder hohe Töne nicht mehr hören

  • sie hört manchmal Brumm-, Pfeif- oder Pieptöne.

In welchen Berufsgruppen besteht ein erhöhtes Risiko für arbeitsbedingte Hörschäden?

Die Zahl der Krankmeldungen aufgrund von Gehörschäden hängt stark von der Branche ab, in der man tätig ist. Hörschäden im Bauwesen und im industriellen Sektor sind, nicht zuletzt durch den Lärm beim Einsatz schwerer Maschinen, bekannte Probleme. Doch auch bei vielen anderen Berufen besteht ein Risiko für Hörschäden. In diesen Berufsgruppen entsteht der Hörschaden meist schleichend, weshalb er oft nicht unmittelbar mit der Ausübung des betreffenden Berufs in Verbindung gebracht wird. Berufe, die mit hohen Geräuschpegeln zu tun haben, sind:

  • Bauarbeiter

  • Metall- und Holzbearbeiter

  • Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wie Polizei und Militär

  • Landwirte

  • Lkw-Fahrer

  • Gabelstaplerfahrer

  • Musiker

  • Diskjockeys

Schädlicher Lärm tritt jedoch auch an weniger naheliegenden Orten auf, etwa in Kindertagesstätten, Freizeitzentren, Schwimmbädern und Turnhallen. So laufen Sportlehrerinnen und Sportlehrer Gefahr, einen Hörschaden zu erleiden, wenn sie in Turnhallen oder Sporthallen mit schlechter Akustik unterrichten. Die Kombination aus dem Quietschen der Sportschuhe, dem Aufprallen von Bällen, dem schrillen Klang von Schiedsrichterpfeifen, dem Aufeinanderschlagen von Hockeyschlägern und dem Geschrei einer ganzen Gruppe von Kindern erzeugt eine wahre Lärmflut. Durch die schlechte Akustik, verursacht durch die Ausstattung der oft großen und hohen Räume mit harten Materialien, entsteht eine lange Nachhallzeit, die zu unangenehmen Schallreflexionen führt. Diese Reflexionen können belastende Folgen für Menschen haben, die sich über längere Zeit in der Halle aufhalten. In der Berufsgruppe Bildung laufen auch Techniklehrer und Schwimmlehrer ein erhöhtes Risiko für Hörschäden.

Auch Menschen, die im Gastgewerbe arbeiten, zum Beispiel in einem gut besuchten Café, haben ein erhöhtes Risiko für Hörschäden. Dentalhygienikerinnen und Zahntechniker verwenden Geräte, die während des Gebrauchs ständig Geräusche erzeugen. Auch das kann mit der Zeit zu einem Hörschaden führen. Beschäftigte der Rettungsdienste und Motorradpolizisten sind bei ihrer Arbeit ebenfalls häufig lauten Geräuschen ausgesetzt.

Wann ist Lärm schädlich?

Die wahrnehmbare Anzahl an Dezibel unterscheidet sich je nach Arbeitsplatz. In einem durchschnittlichen Büro arbeiten Sie bei 50 Dezibel, während Sie auf der Startbahn bei einem startenden Flugzeug mit 140 Dezibel zu tun haben. Eine Reihe von Berufen, die dazwischen liegen, haben wir im Folgenden für Sie aufgelistet:

Beruf und Anzahl der Dezibel

Mitarbeiter ruhiges Büro 50 dB Kellner 55-75 dB Lehrer 75 dB Kinderbetreuung 70-80 dB Beschäftigter in der Distribution 70-84 dB Mitarbeiter auf der Intensivstation 45-85 dB Lkw-Fahrer 75-90 dB Motorradpolizist 90 dB Sportlehrer 70-93 dB Schwimmlehrer 80-100 dB Zahnarzt 70-92 dB Barpersonal 90-102 dB Mitarbeiter im Fitnessstudio 95-100 dB Mitarbeiter bei einem Konzert 110 dB

Der Geräuschpegel, ab dem Sie einen bleibenden Hörschaden erleiden können, beginnt bei etwa 80 Dezibel. Der Hörschaden hängt davon ab, wie oft und wie lange Sie diesem Pegel ausgesetzt sind.

Gesetzliche Regelungen zum Thema Lärm

Laut Arbeitsschutznorm ist es für einen Beschäftigten schädlich, acht Stunden lang bei 80 Dezibel zu arbeiten. Liegt der Geräuschpegel dauerhaft über 80 Dezibel, kann bereits innerhalb eines Arbeitstages ein Hörschaden auftreten. Um Ihnen ein Bild zu vermitteln: Wenn Sie sich während eines Gesprächs in einem Meter Abstand nicht mehr verstehen können, liegt der Geräuschpegel aller Wahrscheinlichkeit nach über 80 dB. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, sämtliche Schäden, also auch Hörschäden, bei ihrem Personal zu verhindern. Darüber hinaus hat auch der Beschäftigte selbst bestimmte Pflichten.

Wie Sie bereits gelesen haben, wird der Geräuschpegel in Dezibel (dB) angegeben. Jedes Ohr hat eine andere Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Frequenzen. Um dem Rechnung zu tragen, wird der Schall mit einem A-Filter gemessen. Der Geräuschpegel wird dann in der Einheit dB(A) ausgedrückt. Zum Lärm am Arbeitsplatz sind die folgenden Regelungen gesetzlich festgelegt:

  • der Arbeitgeber muss Gehörschutz zur Verfügung stellen, wenn der Beschäftigte täglich mehr als 80 dB(A) ausgesetzt ist

  • der Beschäftigte ist verpflichtet, bei einer täglichen Belastung von mehr als 85 dB(A) einen Gehörschutz zu tragen

  • bei einer Belastung von mehr als 85 dB(A) muss ein Maßnahmenplan erstellt werden. Dieser Maßnahmenplan ist Teil einer Gefährdungsbeurteilung, einer Risikoinventarisierung und -bewertung. Darin werden die Risiken und Gefahren für das Personal eines Unternehmens erfasst. Es wird untersucht, welche Arbeitsrisiken bestehen und welche davon am wichtigsten und/oder am größten sind. Im Maßnahmenplan muss deutlich gemacht werden, welche Maßnahmen ergriffen werden, um Hörschäden entgegenzuwirken. Der Plan muss regelmäßig bewertet werden.

  • wird der Grenzwert von 87 dB(A) überschritten, muss der Lärm sofort wieder unter den Grenzwert gesenkt werden (der Grenzwert wird im Ohr gemessen, wobei der Gehörschutz berücksichtigt wird)

  • Arbeitgeber müssen Beschäftigte über die Gefahren von Lärm aufklären

  • um feststellen zu können, ob die ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigen, haben Beschäftigte mindestens alle vier Jahre Anspruch auf einen Hörtest.

Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie schnell jemand bei einem bestimmten Geräuschpegel Gefahr läuft, einen Hörschaden zu erleiden, finden Sie unten eine Reihe von Arbeitsstätten mit der (durchschnittlichen) Anzahl an Dezibel und der Anzahl der sicheren Arbeitsstunden bei diesem dB-Pegel:

Ort, Anzahl der dB und sichere Zeit

Schwimmbad 80 dB – 8 Stunden Werkstatt Bau 86 dB – 1 Stunde Werkstatt Metall 95 dB – 15 Minuten Diskothek 102 weniger als 5 Minuten

Hyperakusis Lärm dB Ohrstöpsel

Wie lassen sich Hörschäden vermeiden?

Um die tägliche Lärmdosis zu bestimmen, geht das Gesetz von Arbeitstagen von acht Stunden aus. Indem man Beschäftigte kürzer dem Lärm aussetzt, lässt sich die Belastung verringern. Bei einer Halbierung der Dauer beträgt die Abnahme 3 dB(A). Bei einer achtstündigen Belastung mit 83 dB(A) sinkt die Belastung bei vier Stunden also auf 80 dB(A) – vorausgesetzt, die Lärmdosis liegt während der übrigen vier Stunden deutlich niedriger.

Um schädlichen Lärm am Arbeitsplatz zu verringern, kann ein Arbeitgeber eine Reihe von Maßnahmen ergreifen:

  • er kann leisere Maschinen anschaffen und einsetzen

  • er kann leisere Produktionsverfahren entwickeln (lassen)

  • er kann die Maschinen in speziellen, schalldämmenden Gehäusen unterbringen

  • er kann sein Personal in schalldämmenden Kabinen arbeiten lassen

  • er kann versuchen, die Belastungsdauer so weit wie möglich zu begrenzen.

Wenn die genannten Maßnahmen nicht oder nicht sofort umgesetzt werden können oder sich als nicht ausreichend wirksam erweisen, muss ein Gehörschutz verwendet werden.

Arbeitgeber und Beschäftigte sind sich des Geräuschpegels am Arbeitsplatz und der damit verbundenen Risiken für Hörschäden im Bauwesen und allen anderen Berufsbranchen oft nicht bewusst. Wenn Sie täglich mit Lärm am Arbeitsplatz zu tun haben, ist ein (vorbeugender) Gehörschutz sehr zu empfehlen.

Im Bau- und Industriesektor ist Gehörschutz am weitesten verbreitet: 70,6 % der Beschäftigten verwenden regelmäßig einen Gehörschutz. Untersuchungen zeigen jedoch, dass nicht in allen Branchen, in denen Beschäftigte während der Arbeitszeit mit Lärm konfrontiert sind, ein Gehörschutz verwendet wird. Der Anteil liegt bereits deutlich niedriger im Dienstleistungssektor (36 %), in der Landwirtschaft (33,6 %), im Verkehr (27,5 %) und in der Freizeitbranche (20,7 %); insbesondere im Gesundheitswesen (7,3 %), im Gastgewerbe (7,1 %) und im Bildungswesen (10,3 %) wird trotz der hohen Geräuschpegel nur selten davon Gebrauch gemacht. Diese Daten stammen aus dem Bericht „Beroepsziekten in Cijfers“ des NCvB und der Nationale Enquête Arbeidsomstandigheden des TNO.

Gehörschutz am Arbeitsplatz

Um das Risiko für Hörschäden durch Lärmbelastung zu verringern, können Sie einen Gehörschutz wie Otoplastiken verwenden. Dabei handelt es sich um maßgefertigte Ohrstöpsel. Durch die exakte Passform, die für Ihr Ohr angefertigt wird, sitzen sie äußerst bequem. In den Otoplastiken befindet sich ein Filter, der für eine perfekte Dämpfung störender Geräusche sorgt. Da es verschiedene Filter gibt, lässt sich für jede Situation ein passender Filter finden und am Ohrstöpsel befestigen. Die Ohrstöpsel bestehen aus einem flexiblen und weichen Material, was dem Tragekomfort zugutekommt. Otoplastiken sind ein sehr guter Gehörschutz am Arbeitsplatz: Sie sind klein und fallen kaum auf, halten aber jahrelang. Sie verrichten auf subtile Weise sehr gute Arbeit und sind eine sehr gute Investition für Ihre Ohren.

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