Wann ist Gehörschutz Pflicht? 80 und 85 dB(A) einfach erklärt
Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) ist das Tragen Pflicht, und mit Gehörschutz dürfen am Ohr höchstens 85 dB(A) ankommen. Alle Regeln der LärmVibrationsArbSchV, mit Kosten, Messung und arbeitsmedizinischer Vorsorge.
Machen Sie den nächsten Schritt für Ihr Gehör
Als Beschäftigte oder Beschäftigter müssen Sie Gehörschutz tragen, sobald Ihr Tages-Lärmexpositionspegel 85 dB(A) erreicht. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen diesen Schutz schon ab 80 dB(A) zur Verfügung stellen. Und mit Gehörschutz dürfen an Ihrem Ohr nie mehr als 85 dB(A) ankommen.
Diese Werte stammen aus der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Unten finden Sie sie im Überblick und danach, was sie in der Praxis bedeuten: wer misst, wer bezahlt, wann Sie Anspruch auf einen Hörtest haben und welcher Gehörschutz die Anforderungen erfüllt.
| Wert | Was passieren muss |
|---|---|
| 80 dB(A) unterer Auslösewert Spitze 135 dB(C) | Der Arbeitgeber stellt Gehörschutz zur Verfügung und unterweist die Beschäftigten. Er muss eine arbeitsmedizinische Vorsorge mit Hörtest anbieten. |
| 85 dB(A) oberer Auslösewert Spitze 137 dB(C) | Tragen ist Pflicht. Der Arbeitgeber erstellt ein Lärmminderungsprogramm und kennzeichnet die Lärmbereiche. Die arbeitsmedizinische Vorsorge ist Pflicht. |
| 85 dB(A) am Ohr maximal zulässiger Expositionswert Spitze 137 dB(C) | Gilt am Ohr, also mit Gehörschutz. Dieser Wert darf nie überschritten werden. Geschieht das doch, sind sofort Maßnahmen nötig. |
Der Tages-Lärmexpositionspegel ist der Mittelwert über einen Arbeitstag von 8 Stunden. Die Spitzenwerte in dB(C) betreffen kurze, laute Knalle, etwa von einem Schlaghammer, einem Nagler oder einem Schuss. Anders als in manchen Nachbarländern liegt der Höchstwert am Ohr in Deutschland nicht höher als der obere Auslösewert: Bei den Auslösewerten zählt die Dämmung des Gehörschutzes nicht mit, beim maximal zulässigen Expositionswert schon.
Arbeitsschutzgesetz oder Lärmverordnung: Wo stehen die Regeln?
Im Alltag ist oft einfach vom Arbeitsschutzgesetz die Rede, aber die Lärmwerte stehen dort nicht. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) regelt die allgemeinen Pflichten des Arbeitgebers, zum Beispiel, alle Gefährdungen am Arbeitsplatz in einer Gefährdungsbeurteilung zu erfassen. Die konkreten Regeln zu Lärm stehen in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, vor allem in § 6 bis § 8 und § 11.

Das verlangt die Verordnung vom Arbeitgeber:
- Ab 80 dB(A): Gehörschutz zur Verfügung stellen (§ 8 Abs. 1) und die Beschäftigten über die Gefahren von Lärm und den richtigen Gebrauch des Schutzes unterweisen (§ 11). Tragen ist dann noch nicht Pflicht.
- Ab 85 dB(A): Die Beschäftigten müssen den Gehörschutz die ganze Zeit tragen, in der sie im Lärm arbeiten, und der Arbeitgeber sorgt dafür, dass das auch geschieht (§ 8 Abs. 3). Er stellt ein Programm mit technischen und organisatorischen Maßnahmen auf (§ 7 Abs. 5) und kennzeichnet die Lärmbereiche (§ 7 Abs. 4).
- 85 dB(A) am Ohr: Das ist der maximal zulässige Expositionswert, gemessen mit Gehörschutz (§ 8 Abs. 2). Liegt der Lärm darüber, muss der Arbeitgeber sofort eingreifen.
- Hörtest: Ab 80 dB(A) muss Ihr Arbeitgeber Ihnen eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten, ab 85 dB(A) ist sie Pflicht (ArbMedVV, Anhang Teil 3). So sehen Sie, ob die Maßnahmen wirken.
Wie funktioniert die Tagesdosis?
Es geht nicht um den lautesten Moment des Tages, sondern um die gesamte Lärmdosis. Pegel und Zeit zählen zusammen, und jede 3 dB mehr bedeuten doppelt so viel Schallenergie. Dadurch halbiert sich die Zeit, in der Sie dieselbe Dosis abbekommen.
Ein Rechenbeispiel: Arbeiten Sie 4 Stunden bei 83 dB(A) und ist es den Rest des Tages ruhig, erhalten Sie dieselbe Tagesdosis wie bei 8 Stunden mit 80 dB(A). Bei 86 dB(A) erreichen Sie diesen Wert nach 2 Stunden, bei 89 dB(A) nach 1 Stunde und bei 95 dB(A) schon nach einer Viertelstunde. Das sind Rechenbeispiele, keine eigenen gesetzlichen Grenzen. Weitere Beispiele für alltägliche Geräusche finden Sie in unserem Artikel ab wie viel Dezibel Lärm schädlich ist.
Rechner · Lärmdosis
Wie lange ist dieser Lärm für Ihre Ohren unbedenklich?
Wählen Sie eine Situation oder stellen Sie Pegel und Dauer selbst ein.
100 % ist Ihre volle Tagesdosis, 3× bedeutet dreimal so viel. Liegen Sie über 100 %, riskieren Sie einen bleibenden Gehörschaden.
Tages-Lärmexpositionspegel: 90 dB(A)
Ab 85 dB(A): Gehörschutz muss getragen werden, die arbeitsmedizinische Vorsorge ist Pflicht und der Bereich wird als Lärmbereich gekennzeichnet.
Auch mit einem Filter mit SNR 19 liegt der Pegel in Ihrem Ohr über dem zulässigen Höchstwert von 85 dB(A): Wählen Sie eine stärkere Dämpfung.
Lärmmessung anfragenSchätzung nach der Faustregel 80 dB(A) über 8 Stunden, wobei sich die Zeit mit jedem Plus von 3 dB halbiert. Der SNR ist ein Laborwert: Wie stark Ihr Gehörschutz in der Praxis dämpft, hängt davon ab, wie gut er abdichtet. Ersetzt keine Messung.
Wie laut sind 80 dB(A) eigentlich?
Ein normales Gespräch liegt bei etwa 60 dB(A). Müssen Sie die Stimme heben, um jemanden in einem Meter Abstand zu verstehen, liegt der Lärm wahrscheinlich über 80 dB(A).
Das Tückische: 80 oder 85 dB(A) tun selten weh. Viele Menschen empfinden diesen Pegel nicht einmal als unangenehm und merken daher nicht, dass ihr Gehör auf Dauer Schaden nimmt. Wir empfehlen deshalb, schon ab 80 dB(A) Gehörschutz zu tragen, auch wenn es dann noch keine Pflicht ist.
Wer misst den Lärm, und wie?
Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, den Lärm zu erfassen. Kann der Lärm 80 dB(A) erreichen, muss die Exposition in der Gefährdungsbeurteilung (§ 3 LärmVibrationsArbSchV) ermittelt und bei Bedarf gemessen werden.
Gemessen wird mit einem Schallpegelmesser mit A-Bewertung. Dieser Filter berücksichtigt, wie empfindlich das Ohr für verschiedene Tonhöhen ist, deshalb wird der Pegel in dB(A) angegeben. Für kurze, laute Spitzen gilt die C-Bewertung, daher dB(C).
Möchten Sie wissen, wo Ihr Betrieb steht? Wir bieten eine Geräuschmessung mit einem Schallpegelmesser der Klasse 1 an und beraten, welcher Schutz zu welchem Arbeitsplatz passt. Für Teams ab 3 Personen prüfen wir gerne einen Besuch vor Ort – sprechen Sie uns an.
- Erfassen Sie den Lärm in der Gefährdungsbeurteilung und lassen Sie messen, wo er 80 dB(A) erreichen kann.
- Setzen Sie zuerst an der Quelle an: leisere Maschinen, Abschirmungen, schallgedämmte Kabinen oder weniger Stunden im Lärm.
- Stellen Sie Gehörschutz kostenlos zur Verfügung und prüfen Sie, ob er ausreichend dämmt.
- Unterweisen Sie die Beschäftigten, zum Beispiel in einer kurzen Sicherheitsunterweisung, über die Risiken und den richtigen Gebrauch.
- Bieten Sie allen, die oberhalb der Auslösewerte arbeiten, eine arbeitsmedizinische Vorsorge an, ab 85 dB(A) ist sie Pflicht.
Für die letzten beiden Punkte können Sie sich an uns wenden: Wir bieten eine Unterweisung zu Lärm und Gehör von etwa 20 Minuten und Hörtests für Ihr Team an. Die arbeitsmedizinische Vorsorge selbst führt Ihr Betriebsarzt oder Ihre Betriebsärztin durch.
Wer bezahlt den Gehörschutz?
Der Arbeitgeber. Nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz darf er die Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen nicht auf die Beschäftigten abwälzen. Liegen Sie bei der Arbeit über 80 dB(A), müssen Sie also keine Ohrstöpsel selbst kaufen.
Welcher Gehörschutz es wird, entscheidet der Arbeitgeber. Das Gesetz schreibt keine Bauart vor, wohl aber, dass der Schutz ausreichend dämmt. Dass sich Arbeitgeber immer öfter für Otoplastiken entscheiden, hat einen praktischen Grund: Was bequem sitzt, wird den ganzen Tag getragen.
Welche Anforderungen muss Gehörschutz erfüllen?
Gehörschutz fällt unter die europäische PSA-Verordnung (EU) 2016/425, und zwar unter Kategorie III. Das ist die strengste Kategorie, für Schutzausrüstung gegen Risiken mit schweren oder irreversiblen Folgen. Eine unabhängige Prüfstelle muss das Produkt deshalb testen, bevor es eine CE-Kennzeichnung erhält. Für Ohrstöpsel geschieht das nach der Norm EN 352-2, für Kapselgehörschutz nach EN 352-1. Die Zertifikate und Konformitätserklärungen unserer Ohrstöpsel finden Sie auf der Seite Zertifizierungen.
Aus diesem Test stammt der Dämmwert, meist als SNR in Dezibel. Das ist allerdings ein Laborwert: Ein Ohrstöpsel, der nicht dicht abschließt, dämmt in der Praxis deutlich weniger. Die DGUV Regel 112-194 verlangt für Gehörschutz-Otoplastiken deshalb eine Funktionskontrolle bei der Auslieferung und danach spätestens alle drei Jahre. Wir empfehlen, den Dichtigkeitstest jährlich zu wiederholen. Wie das funktioniert, lesen Sie in Dichtigkeitstest für Gehörschutz.
Achtung
Mehr Dämmung ist nicht immer besser. Dämmt der Schutz viel stärker als nötig, hören Sie Kolleginnen, Kollegen und Warnsignale schlecht, und die Leute nehmen ihre Ohrstöpsel heraus. Wählen Sie einen Filter, der den Pegel am Ohr deutlich unter 80 dB(A) bringt, mit dem Sie aber noch verstehen, was um Sie herum passiert.
Wo ist es bei der Arbeit laut?
Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Berufskrankheiten und ist in Deutschland als Berufskrankheit Nr. 2301 anerkannt. Beschäftigte hören nach und nach schlechter und können Ohrgeräusche oder Tinnitus bekommen. Meist ist jahrelange Lärmbelastung die Ursache.
Die bekanntesten Beispiele sind der Bau, die Metallbranche und die Industrie, wo Maschinen und Werkzeuge viel Lärm machen. Aber auch Landwirte, Soldatinnen und Soldaten, Polizeikräfte sowie Lkw- und Staplerfahrer sind betroffen. In unserer Übersicht der Berufe mit hohem Risiko für Hörschäden finden Sie die Pegel je Arbeitsplatz.
Gastronomie und Veranstaltungen
In der Gastronomie läuft fast immer Musik, und in Clubs und bei Konzerten liegt der Pegel oft um 100 dB. Für das Publikum gibt es in Deutschland kein Gesetz, wohl aber die Norm DIN 15905-5. Für alle, die dort arbeiten, gilt dagegen die LärmVibrationsArbSchV. Barpersonal, DJs und Sicherheitskräfte verbringen eine ganze Schicht in diesem Lärm, und mit 100 dB liegen Sie dann weit über der Tagesdosis. Gehörschutz mit Musikfilter senkt die Lautstärke, während Sie Gäste und Kollegen weiterhin verstehen. Mehr dazu lesen Sie in Gehörschutz im Nachtleben.
Flughafen
Auch am Flughafen ist das Risiko groß. Wer auf dem Vorfeld arbeitet, steht nahe an laufenden Triebwerken, Hilfsaggregaten und Bodengeräten. Weil Sie dort auch gut kommunizieren müssen, wird Gehörschutz oft mit einem Headset oder Funkgerät kombiniert.
Schule und Kita
Man denkt nicht sofort daran, aber auch in Sporthallen, Schwimmbädern, Freizeitzentren und Kindertagesstätten kann der Pegel hoch werden. Lesen Sie zum Beispiel, wie es um Hörschäden bei Lehrkräften steht.
Was können Unternehmen selbst gegen Lärm tun?
Lärm führt nicht nur zu schlechterem Hören. Hohe Pegel können auch Konzentrationsprobleme, Stress, Müdigkeit und erhöhten Blutdruck verursachen. Jede Organisation profitiert von gesunden Beschäftigten, die gut arbeiten können.
Die Lärmverordnung gibt deshalb eine feste Reihenfolge vor (§ 7 Abs. 1, oft TOP-Prinzip genannt): zuerst den Lärm an der Quelle bekämpfen, etwa mit leiseren Verfahren und Maschinen. Dann abschirmen, zum Beispiel mit schallgedämmten Kabinen. Danach organisatorische Maßnahmen, etwa weniger Stunden pro Tag im Lärm. Erst wenn das nicht reicht, kommt Gehörschutz ins Spiel. In der Praxis bleibt er an vielen Arbeitsplätzen nötig.
Gehörschutz nach Maß für Ihr Team
Otoplastiken werden nach einem Abdruck des Ohrs der Trägerin oder des Trägers gefertigt. Deshalb schließen sie gut ab und sitzen auch nach einem vollen Arbeitstag noch bequem. Unser Custom Work dämmt je nach Filter und Material mit einem SNR von 17 bis 31 dB, mit dem Click-Filter bis 34 dB. Weil die Filter austauschbar sind, wählen Sie für jeden Arbeitsplatz die Dämmung, die zum Lärm passt.
Wir fertigen Gehörschutz unter anderem für die Industrie (von Metall und Lebensmitteln bis zu Druckereien), den Sicherheitsdienst, das Nachtleben und den Bau. Für Teams ab 3 Personen prüfen wir gerne einen Besuch vor Ort – sprechen Sie uns an. Einzelne Beschäftigte lassen den Ohrabdruck bei einem Hörakustiker anfertigen und schicken ihn uns zu; so bestellen Sie ohne Filiale in Ihrer Nähe. Alle Optionen für die Arbeit finden Sie unter Gehörschutz für die Arbeit.
Für ArbeitgeberGehörschutz für Ihr ganzes TeamFür Teams ab 3 Personen prüfen wir gerne einen Besuch vor Ort. Fordern Sie unverbindlich ein Angebot an. Angebot anfordern
Noch eine Frage? Wir sind ganz Ohr.
Häufig gestellte Fragen
Mehr lesenFAQ
Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) oder bei Spitzen ab 137 dB(C) müssen Beschäftigte Gehörschutz tragen. Ab 80 dB(A) oder 135 dB(C) muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereits zur Verfügung stellen, das Tragen ist dann aber noch nicht Pflicht. Diese Werte stehen in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV), § 6 und § 8.
Der Arbeitgeber. Nach § 3 Abs. 3 des Arbeitsschutzgesetzes darf er die Kosten für Maßnahmen des Arbeitsschutzes nicht den Beschäftigten auferlegen. Das gilt auch für maßgefertigten Gehörschutz, wenn sich der Arbeitgeber dafür entscheidet.
Verantwortlich ist der Arbeitgeber. In der Gefährdungsbeurteilung erfasst er die Lärmrisiken, und wenn der Lärm 80 dB(A) erreichen kann, muss die Exposition ermittelt und bei Bedarf gemessen werden. Das kann zum Beispiel die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder ein Messdienstleister mit einem geeigneten Schallpegelmesser übernehmen.
Ja. Ab 80 dB(A) oder 135 dB(C) muss Ihr Arbeitgeber Ihnen eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten, ab 85 dB(A) oder 137 dB(C) ist sie Pflicht. Zur Vorsorge gehört in der Regel ein Hörtest. Geregelt ist das in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 3.
Nein. Der Gehörschutz muss so gut dämmen, dass am Ohr höchstens 85 dB(A) und in der Spitze 137 dB(C) ankommen, und er muss eine CE-Kennzeichnung tragen. Ob das Schaumstoffstöpsel, Kapselgehörschutz oder Otoplastiken sind, entscheidet der Arbeitgeber. Wichtig ist, dass der Schutz passt und den ganzen Tag getragen wird.
Das Arbeitsschutzgesetz enthält die allgemeinen Pflichten, zum Beispiel die Gefährdungsbeurteilung. Die konkreten Lärmwerte von 80 und 85 dB(A) stehen nicht im Arbeitsschutzgesetz selbst, sondern in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, vor allem in § 6 bis § 8.