Gehör & Tinnitus

Wie funktioniert das Gehör? Außenohr, Mittelohr und Innenohr erklärt

Audinc 9. Okt. 2018 zuletzt aktualisiert 25. Okt. 2026
Wie funktioniert das Gehör? Außenohr, Mittelohr und Innenohr erklärt

Wie hören wir? Lesen Sie, wie Außenohr, Mittelohr und Innenohr zusammenarbeiten, was der Gehörgang tut, warum Sie Ohrenschmalz haben und wie Lärm das Gehör schädigt.

Machen Sie den nächsten Schritt für Ihr Gehör

Sie hören den ganzen Tag, ohne etwas dafür tun zu müssen. Doch hinter diesem Hören steckt ein ausgeklügeltes System. In Bruchteilen einer Sekunde wandelt Ihr Ohr eine Schwingung in der Luft in ein Signal um, das Ihr Gehirn als Stimme, Musik oder Warnung erkennt.

In diesem Artikel lesen Sie, wie das Gehör funktioniert, von der Ohrmuschel bis zum Gehirn, was der Gehörgang tut, warum Sie Ohrenschmalz haben und wie Lärm das Gehör schädigen kann.

Von der Schallwelle zum Geräusch

Schall besteht aus Schwingungen in der Luft: kleinen, schnellen Unterschieden im Luftdruck, die eine Schallquelle erzeugt. Wie diese Wellen entstehen und was Tonhöhe und Lautstärke sind, lesen Sie in Was ist Schall?.

Das Ohr fängt diese Schwingungen auf und gibt sie weiter. Das geschieht in drei Teilen: dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Erst im Gehirn wird die Schwingung wirklich zum Geräusch.

Querschnitt des Ohrs: Ohrmuschel, Gehörgang, Trommelfell, Gehörknöchelchen, Eustachische Röhre, Hörschnecke, Gleichgewichtsorgan und Hörnerv
Querschnitt des Ohrs. 1 Ohrmuschel · 2 Gehörgang · 3 Trommelfell · 4 Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) · 5 Eustachische Röhre · 6 Hörschnecke · 7 Gleichgewichtsorgan · 8 Hörnerv.

Das Außenohr

Das Außenohr besteht aus der Ohrmuschel, dem Gehörgang und dem Trommelfell. Die Ohrmuschel ist der einzige Teil Ihres Gehörs, den Sie sehen können. Sie wirkt wie ein Trichter, der Schall auffängt, und durch ihre Form hilft sie Ihnen auch zu hören, ob ein Geräusch von vorn oder von hinten kommt.

Über den Gehörgang gelangt der Schall zum Trommelfell. Der Gehörgang ist bei Erwachsenen etwa 2,5 Zentimeter lang und verläuft leicht schräg. Er hat auch eine schützende Aufgabe: Schmutz und Staub werden aufgefangen, bevor sie das Trommelfell erreichen, und der Gehörgang hält das Trommelfell warm und schützt es vor dem Austrocknen.

Das Trommelfell ist eine dünne, empfindliche Membran, die den Gehörgang abschließt. Trifft eine Schallwelle ein, schwingt das Trommelfell mit.

Das Mittelohr

Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr, ein kleiner, luftgefüllter Raum. Darin sitzen drei Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel. Es sind die kleinsten Knochen Ihres Körpers.

Das Trommelfell gibt seine Schwingung an den Hammer weiter, der sie über den Amboss an den Steigbügel überträgt. Unterwegs wird die Schwingung verstärkt. Das ist nötig, denn im Innenohr muss die Schwingung von Luft auf Flüssigkeit übergehen, und Flüssigkeit lässt sich viel schwerer in Bewegung versetzen.

Vom Mittelohr führt die Eustachische Röhre zum Nasen-Rachen-Raum. Sie sorgt dafür, dass der Luftdruck auf beiden Seiten des Trommelfells gleich bleibt. Deshalb knacken Ihre Ohren, wenn Sie schlucken oder gähnen, zum Beispiel im Flugzeug. Klappt das nicht gut, bekommen Sie beim Landeanflug ein verschlossenes Ohr oder Ohrenschmerzen; was dagegen hilft, lesen Sie in Ohrenschmerzen beim Fliegen.

Das Innenohr

Das Innenohr besteht aus der Hörschnecke und dem Gleichgewichtsorgan. Die Hörschnecke ist eine aufgerollte, mit Flüssigkeit gefüllte Röhre. Der Steigbügel drückt gegen ein kleines Fenster der Hörschnecke, wodurch die Flüssigkeit in Bewegung gerät.

An der Innenseite der Hörschnecke sitzen Tausende Haarzellen. Bewegt sich die Flüssigkeit, biegen sich die Härchen auf diesen Zellen mit. Dabei wandeln sie die Bewegung in elektrische Signale um. Jede Stelle in der Hörschnecke reagiert auf eine eigene Tonhöhe: die hohen Töne am Anfang, die tiefen Töne weiter hinten in der Spirale.

Über den Hörnerv gelangen die Signale zum Gehirn. Dort werden sie erkannt und bekommen eine Bedeutung: eine vertraute Stimme, eine Melodie oder eine Autohupe. Erst dann hören Sie wirklich etwas.

Probieren Sie es selbst

Wo in Ihrer Hörschnecke kommt ein Ton an?

Hohe Töne werden am Anfang der Hörschnecke aufgenommen, tiefe Töne ganz in der Mitte. Verschieben Sie den Regler und sehen Sie, wo der Ton ankommt.

Außen: hohe Töne · Mitte: tiefe Töne

Hier entstehen Lärmschäden zuerst (3000–6000 Hz)

4.000Hz

Pfeifen, Vogelgesang und ein weinendes Baby. Lärmschäden beginnen oft um 4000 Hz.

Beginnen Sie mit niedriger Lautstärke. Der Ton stoppt nach 30 Sekunden von selbst.

Bis wie hoch hören Sie?

Ein Ton gleitet in 20 Sekunden von 8.000 auf 20.000 Hz. Drücken Sie auf Stopp, sobald Sie ihn nicht mehr hören.

Ohrenschmalz und der Gehörgang

Im äußeren Teil des Gehörgangs sitzen Drüsen, die Ohrenschmalz bilden. Ohrenschmalz ist kein Schmutz, sondern eine Schutzschicht. Es fängt Staub und Schmutz auf, hält die Haut geschmeidig und hemmt Bakterien und Pilze. Durch die Bewegungen Ihres Kiefers beim Sprechen und Kauen wandert das Ohrenschmalz von selbst langsam nach außen. Ihr Gehörgang reinigt sich also selbst.

Manchmal klappt das nicht, und das Ohrenschmalz sammelt sich zu einem Pfropf. Das passiert oft durch Wattestäbchen, mit denen Sie das Ohrenschmalz nur tiefer schieben, oder durch häufiges Tragen von Ohrstöpseln. Sie hören dann dumpfer, und Ihr Ohr fühlt sich voll an. Laut gesundheitsinformation.de lässt sich ein Pfropf mit Ohrentropfen oder -spray aus der Apotheke, mit Olivenöl, Wasser oder Kochsalzlösung aufweichen. Bei einer Entzündung, einer Verletzung, einem Loch im Trommelfell oder Paukenröhrchen sollten Sie aber nichts ins Ohr träufeln oder spülen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel über den Ohrenschmalzpfropf oder über das Ohren reinigen.

Ist Ihr Ohr danach immer noch zu? Dann lassen Sie das Ohrenschmalz in Ihrer Hausarzt- oder HNO-Praxis entfernen.

Achtung

Hören Sie plötzlich deutlich schlechter, haben Sie starke Schmerzen, Fieber, Ausfluss aus dem Ohr oder Schwindel? Wenden Sie sich noch am selben Tag an Ihre Hausarzt- oder HNO-Praxis, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Wie Lärm das Gehör schädigt

Die Haarzellen in der Hörschnecke sind empfindlich. Bei zu lautem oder zu langem Lärm werden sie überlastet. Zuerst merken Sie das als dumpfes Gefühl oder Piepen nach einem Konzert oder einem Tag im Lärm. Das vergeht meist wieder. Passiert es oft, werden Haarzellen dauerhaft geschädigt. Sie wachsen nicht nach, der Hörverlust ist also bleibend. Oft lassen zuerst die hohen Töne nach.

Lärmschäden können auch zu Tinnitus führen: einem Piepen, Rauschen oder Sausen, das nicht von außen kommt. Das Risiko beginnt bei etwa 80 dB(A), wenn Sie lange darin sind. Die Schmerzgrenze liegt viel höher, bei etwa 120 bis 130 dB. Ihr Gehör kann also schon geschädigt werden, lange bevor Lärm wehtut. Wie lange Sie welchem Pegel unbedenklich ausgesetzt sein können, lesen Sie in Ab wie viel Dezibel ist Lärm schädlich?, und wie Sie dem vorbeugen, in Gehörschäden vorbeugen.

Probleme mit dem Gehör

Schall legt einen langen Weg zurück, bevor Sie ihn hören, und an jeder Stelle kann etwas schiefgehen. Ist die Weiterleitung im Außen- oder Mittelohr gestört, etwa durch einen Ohrenschmalzpfropf, Flüssigkeit hinter dem Trommelfell oder eine Entzündung, spricht man von Schallleitungsschwerhörigkeit. Sie ist oft behandelbar. Liegt das Problem im Innenohr oder im Hörnerv, spricht man von Schallempfindungsschwerhörigkeit. Sie ist meist bleibend.

Schwerhörigkeit kann angeboren sein, entsteht aber häufiger im späteren Leben. Das Älterwerden spielt eine große Rolle, ebenso Lärm. Merken Sie, dass Sie schlechter hören, kann Ihre Hausarzt- oder HNO-Praxis einen Hörtest machen. Arbeiten Sie im Lärm, muss Ihr Arbeitgeber Ihnen ab 80 dB(A) eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. Für Unternehmen bieten wir außerdem Hörtests für das ganze Team an. Bei bleibendem Hörverlust kann ein Hörgerät helfen, wieder besser zu hören.

Schützen Sie Ihr Gehör

Lärmschäden lassen sich gut vermeiden. Tragen Sie Gehörschutz, wenn es laut ist, bei der Arbeit, bei Konzerten oder beim Heimwerken. Maßgefertigte Ohrstöpsel werden nach einem Abdruck Ihres Gehörgangs gefertigt. Dadurch schließen sie gut ab und sitzen auch nach Stunden noch bequem, während der Filter die Lautstärke auf ein unbedenkliches Niveau senkt.

Maßgefertigte OhrstöpselSchützen Sie, was Sie hörenSie lassen bei einem Hörakustiker einen Abdruck Ihrer Ohren machen, wir fertigen daraus Ihre Ohrstöpsel und helfen Ihnen bei der Wahl des Filters. Kontakt aufnehmen

Folgen Sie uns

Noch eine Frage? Wir sind ganz Ohr.

Häufig gestellte Fragen

Mehr lesen

FAQ

Die Ohrmuschel fängt Schall auf und leitet ihn über den Gehörgang zum Trommelfell, das zu schwingen beginnt. Drei Gehörknöchelchen im Mittelohr geben diese Schwingung verstärkt an die Hörschnecke im Innenohr weiter. Dort wandeln Haarzellen die Schwingung in Nervensignale um, die über den Hörnerv zum Gehirn gelangen.

Der Gehörgang leitet Schall von der Ohrmuschel zum Trommelfell. Außerdem schützt er das Trommelfell: Drüsen im Gehörgang bilden Ohrenschmalz, das Schmutz, Staub und Bakterien auffängt und von selbst nach außen befördert wird. Zudem hält der Gehörgang das Trommelfell warm und schützt es vor dem Austrocknen.

Das Ohr ist das Organ des Hörsinns, einer der fünf klassischen Sinne neben Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten. Im Innenohr sitzt außerdem das Gleichgewichtsorgan, das Ihnen hilft, aufrecht zu bleiben und Bewegung und Körperhaltung wahrzunehmen.

Die Eustachische Röhre, auch Ohrtrompete genannt, verbindet das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum. Sie sorgt dafür, dass der Luftdruck auf beiden Seiten des Trommelfells gleich bleibt. Deshalb knacken Ihre Ohren, wenn Sie im Flugzeug oder in den Bergen schlucken oder gähnen.

Das hängt von der Ursache ab. Ein Ohrenschmalzpfropf oder eine Mittelohrentzündung vergeht meist wieder. Schäden an den Haarzellen im Innenohr, etwa durch Lärm oder das Älterwerden, sind bleibend. Ein Hörgerät kann dann helfen, besser zu hören.

Ähnliche Blog-Artikel